Ayahuasca - ein Jahr danach

Habe ich mich verändert?

Das ist die Frage die ich mir selber immer wieder stelle… Hat es mich verändert bzw. welche Erfahrungen habe ich daraus gezogen. Die Frage ist so umfangreich und von so vielen Standpunkten aus zu betrachten, dass ich dafür wohl einen ganzen Blogpost brauchen werde.

Ich habe meine engsten Freunde gefragt ob sie finden, dass ich mich seit dieser Erfahrung verändert habe und die meisten meinten nein, ich wäre nur Anfangs anders gewesen. Manche sagten, ich hätte eine gute Ausstrahlung nach meiner Erfahrung gehabt, ich hätte mich jedoch nicht verändert.

Ich habe lange über diese Frage nachgedacht und finde sie nach wie vor sehr schwierig zu beantworten. Man könnte sagen, es hat mich sehr verändert und auch wieder nicht. Aber beginnen wir mal was sich direkt nach dem Ereignis für mich verändert hat: ca. 2-3 Wochen nach der letzten Zaubertranksnacht war alles anders. Es klingt wahrscheinlich wieder total abgedreht aber ich finde, dass das wirklich besondere an Ayahuasca, gar nicht die Erfahrung selbst ist, sondern das was es aus einem später macht. Ich konnte was bzw. (und vor allem) wer mir gut tat körperlich spüren… Wieder so ein Gefühl, das man nur sehr sehr schwer beschreiben kann. Ich versuche es mit ein paar Beispielen, anschaulicher zu machen. Ich habe ca. drei Monate nach meiner Rückkehr keinen Alkohol getrunken und auch keine Zigaretten geraucht. Ich konnte nicht, mein Körper lehnte es dermaßen ab… Ich spürte einfach, dass es mir Energie nehmen würde, würde ich es trinken. Abgesehen davon konnte ich es nicht trinken… ich konnte es einfach nicht runterschlucken. Obwohl ich nach meiner Reise nach Pucallpa ja in Lima im Loki Hostel (für alle die noch nie in Lateinamerika waren, das ist eine Hostelkette in Lateinamerika wo es eigentlich nur um eines geht: PARTY) untergebracht war. Dennoch war mir nicht nach trinken zumute, ich genoss meine verbliebene Zeit, mit den Leuten die ich vor meinem Ayahuascatrip schon kennengelernt hatte. Eine ganz intensive Erfahrung hatte ich mit einer Person die ich auf meiner Reise in Paracas nur einige Tage nach meiner Rückkehr kennenlernte. Wir fühlten uns ganz eigenartig verbunden und ich konnte mir diese Verbindung nicht erklären, etwas später hat sie mir erzählt, dass sie gerade von Pucallpa zurück gekommen ist, wo sie für 14 Tage eine Ayahuascadiät gemacht hat. Wir verbrachten einen ganzen Tag zusammen und haben uns über unsere Erfahrungen ausgetauscht. Es war wirklich magisch wie sehr wir uns verstanden, ich denke, dass dieses Erlebnis sehr verbindet. Ich fühlte mich zu manchen Menschen sehr hingezogen und von anderen sehr abgestoßen. Damit meine ich auch langjährige „Freunde“, ich habe mich von einigen meiner langjährigen Freunde verabschiedet, weil ich merkte, dass sie mir einfach nicht gut taten. Darunter waren Menschen die mich wirklich sehr lange begleitet haben. Ich bereue nicht mich von den anderen verabschiedet zu haben und bin davon überzeugt, dass sie keine gute Energie in mein Leben gebracht haben und mich eher an dem Erreichen meiner Ziele gehindert haben als mich dabei unterstützt zu haben. Wie dem auch sei, die Ersten zwei bis drei Wochen fühlt man Dinge extrem, ich hatte das Gefühl ich fühlte wesentlich mehr als sonst, und wenn mir etwas nicht gut getan hat, dann fühlte es sich wie ein Schmerz an, ein Signal an meinen Körper nur Dinge zu tun die mir gut tun.

Die Veränderung nach einem Jahr ist wesentlich schwieriger zu beurteilen. Ich hatte immer Angst ein Weltverbesserer zu werden, wenn ich Ayahuasca nehme. In meiner Recherche habe ich vorher oft von diesem Phänomen gelesen, ich jedoch wollte kein Aussteiger dieser Gesellschaft werden. Eigentlich war das schon vollkommen aus meinem Bewusstsein verschwunden, doch jetzt wo ich darüber nachdenke fällt es mir wieder ein. Ich habe ungefähr 6 Wochen gebraucht um wirklich gründlich über diese Frage nachzudenken, habe diesen Post geschrieben und Dinge wieder gelöscht und eigentlich gefällt er mir immer noch nicht, weil es sehr schwierig ist sich selbst objektiv zu reflektieren. Jedenfalls denke ich, dass ich es wohl doch ein bisschen geworden bin es ist immer schwierig zu beurteilen, ob ich mich auch ohne Ayahuasca in diese Richtung verändert hätte oder ob es deshalb war, jedoch habe ich mich im letzten Jahr was mein Umweltbewusstsein betrifft und meine Verbundenheit zur Natur stark verändert. Ich lebe seit August Vegan und versuche täglich mein Leben so umweltfreundlich wie es mir möglich ist zu gestalten. Ich glaube, ich bin etwas nachhaltiger in meinem Denken geworden und bin etwas reflektierter was meine Handlungen betrifft. Jedoch auch nur bei Dingen die mir sehr am Herzen liegen. Ich mache immer noch Fehler so wie jeder andere Mensch auch.

Was genau hat mir diese Erfahrung gebracht?

Ganz einfach beantwortet würde ich sagen: Es hat mir geholfen mich selbst zu lieben. Es gab mir ein Gefühl, das wieder ganz schwierig zu beschreiben ist, aber ich wusste, dass ich gut bin so wie ich bin. Schon von klein auf wurde mir eigentlich immer das gegenteil gesagt. Ich wurde für viele Dinge verantwortlich gemacht für die man keine Person verantwortlich machen kann und schon gar kein Kind. Aber dieses Muster habe ich beibehalten und es fiel mir sehr schwer mich selbst zu lieben weil ich mit mir immer etwas schlechtes assoziert habe. Dieses Gefühl ist seit Ayahuasca sehr stark verblasst. Ich weiß jetzt, dass wenn ich nicht in die Vorstellung einzelner Leute passe, das vollkommen in Ordnung ist, denn auch ich bin nicht mit jedem Menschen zufrieden. Wir sind alle unterschiedlich aber deshalb sind wir nicht besser oder schlechter. Es ist vollkommen in Ordnung jemanden nicht zu mögen, die Erde ist groß genug sich aus dem Weg zu gehen. Außerdem habe ich bei der Einnahme eine Liebe verspürt, wie ich sie noch nie gespürt habe… Ich hatte das Gefühl, als würde man diese innere Wärme lange in sich tragen. Ich habe diese Liebe später auch für Menschen empfunden, die ich eigentlich vorher nicht mochte. Es war wie ein Verständnis, als würde der Geist sagen: Ist schon ok, diese Handlung ist wirklich nicht in Ordnung aber ich weiß du meinst es nicht böse… Du kannst eben auch nicht aus deiner Haut. Ich würde mir diese innere Ruhe jetzt auch gerne wünschen aber das ging leider wieder verloren. Man könnte sagen, ich habe das Vertrauen in mich selber gewonnen, ich habe gelernt das ich in mir zuhause bin, ich hatte zum ersten Mal eine Basis in meinem Leben und ich habe gelernt an das Gute zu glauben bzw. zu vertrauen.

Würde ich Ayahuasca wieder nehmen?

Ja, jederzeit. Aber ich glaube nur im Dschungel, ich könnte mir das in der Stadt nicht vorstellen, die Verbundenheit zur Natur die ich aus dieser Erfahrung mitgenommen habe war einfach unfassbar. Und wo ich gerade bei Natur bin… es gibt ein Thema, das ich verheimlicht habe^^.

Insekten unter der Haut

Da ich nach wie vor nicht genau weiß, was ich hatte, habe ich dieses Thema bis jetzt immer ausgespart. Es gehört aber auch zur Geschichte, deshalb schreibe ich nun auch die unangenehmen Ereignisse nieder… Ich hatte sehr viele Stiche an meinem Körper, vor allem am Hintern und an den Fußfesseln. Am Anfang, dachte ich, es wären Gelsenstiche… Dem war nicht so… Jeder hat mir etwas anderes erzählt, aber nach meiner Recherche waren es Sandflöhe, diese beißen und legen dann ihre Eier unter der Haut ab. Ich sage euch, ich hatte in meinem Leben noch nie so starke Schmerzen… Die ersten Tage, unterscheiden sich die Bisse kaum von Gelsenstichen, doch nach ca. 3-4 Tagen wird es zur Hölle. Es brennt, es ist als wäre da Feuer unter eurer Haut… Die Stiche verhärten sich und fühlen sich ganz anders an als Gelsenstiche. Doch jetzt kommt die Ironie: Man darf nicht kratzen, wenn man kratzt, kommen die Eier unter den Fingernagel und wachsen da weiter… Yay und JA ich hatte diesen Fall… zum Glück, hab ich das selber wieder raus gebracht, aber es gibt viele Fälle wo man den ganzen Fingernagel abmachen musste. Die Eier unter der Haut sterben von selber ab. Das war mit Sicherheit, die unlustigste Erfahrung im Dschungel – trotzdem würde ich wieder in den Dschungel fahren, nur würde ich mich nie wieder auf den Boden setzen ;).