Sevilla - Feria de Abril

Lea, Stefan und ich sind also nichts ahnend nach Sevilla gefahren. Als wir ankamen sind wir erstmal ein paar Kilometer, bei stehender Hitze zu unserem Hostel gewandert. Es kam uns etwas komisch vor, dass alle in traditioneller Kleidung und wundervoll dekorierten Kutschen herumfuhren. Doch mit schwerem Rucksack und bei dieser Hitze wollten wir nur eines: Ins Hostel!!! Nach gefühlten 4 Kilometer Umweg sind wir im Hostel angekommen und alles war total chaotisch… Das Hostel war außerdem eigentlich nur eine Wohnung mit 2 Mehrbettzimmern. Es kam uns eher wie eine große WG in einer viel zu kleinen Wohnung vor. Zwei italienische Mädchen arbeiteten ehrenamtlich dort, sie wohnten ebenfalls dort und waren unsere einzigen Ansprechpersonen… Für dieses Hostel bezahlten wir 25 Euro pro Bett in einem 10-Bett-Zimmer, alles war verstaubt und dreckig. Im ganzen Hostel gab es nur ein WC mit Dusche. (Das Hostel hieß übrigens Utopia Seville, kann ich absolut nicht empfehlen!!!) Da alle Hostels ausgebucht waren, mussten wir in dieser Bruchbude bleiben. Später wurde uns klar warum das so war: Die Hostelpreise waren so hoch weil Feria de Abril war!!! Wir sind nichts ahnend und voller Zufall auf das größte Volksfest Andalusiens gestoßen.

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Feria de Abril in Sevilla

Die Feria de Abril in Sevilla ist nach dem Münchner Oktoberfest das zweitgrößte Volksfest der Welt. Es ist wirklich riesengroß… man kommt an und man sieht ein Zelt neben dem anderen, wunderschöne Frauen in wunderschönen Kleidern mit Blumen im Haar, so schön, dass man es fast schon als Kitsch bezeichnen könnte.
Die Männer schauen daneben eher etwas langweilig aus. Die Kleider der Frauen sind wirklich sehr sehr weiblich geschnitten, meist mit Ausschnitt und Brust betont in der Taille und am Hintern eng anliegend und ab den Knien wieder ausgestellt. Alles sah aus wie im Märchen und alles war total schön beleuchtet und überall haben Menschen getanzt und aus jedem Zelt kamen wunderschöne Klänge. Der traditionelle Tanz heißt übrigens Sevillana, diesen Tanz beherrscht man in Sevilla schon von Kindheit an. Nun kamen wir auf dieses Volksfest, das von Schönheit nur so trotzte. Wir hatten, da wir ja unwissend auf die Feria gestolpert sind, keine schöne Kleidung dabei…  Ich hatte nicht mal eine Hose ohne Löcher mit…
Ein bisschen beschämt ging`s ins erste Zelt, wo wir allerdings gleich mit einem Shot Vodka und ein paar Gläschen Wein unseren Scham ein bisschen betäubten. Es gibt auf der Feria über 1000 Zelte diese Zelte nennt man Casettas, doch nur ganz wenige dieser Casettas sind öffentlich. Die meisten Zelte sind privat und selbst für die Sevillaner nicht immer leicht zugänglich. Wir haben leider nicht genau herausgefunden wie man in diese Zelte kommt. Ein Türsteher eines solchen Zeltes hat uns jedenfalls verraten, dass man bei einigen dieser Zelte politisch aktiv sein muss.

Eigentlich haben die privaten Zelte eher langweilig ausgesehen. Die meisten

Die privaten Casettas hatten einen eigenen Gitarrenspieler, jedoch waren nur sehr wenige Menschen in diesen Zelten und die Stimmung hat uns nicht umgehaut. Deshalb (bzw. weil wir keine andere Wahl hatten) sind wir in die öffentlichen Zelte gegangen und auf dem nicht enden wollenden Gelände herumspaziert und haben die Atmosphäre genossen. Wir haben relativ viel getrunken und später an diesem Abend bestellten wir Getränke und der Kellner vergaß uns zu kassieren, als wir wirklich mindestens 10 Minuten stehen blieben und er uns offenbar wirklich einfach vergaß, entschieden wir uns einfach ein Stückchen weiter zu gehen um zu sehen ob es nun ok war zu gehen oder ob er uns suchen würde. Doch es war passiert: Wir haben endlich unsere sehnsüchtig erwarteten FRINKS (free drinks) bekommen. Lea und ich feierten dieses Ereignis sehr, Stefan wunderte sich ;). Der Abend verlief noch sehr flüssig und es wurde auch viel getanzt.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, drehte sich alles… Nach einem kurzen Orientieren stellte ich fest, dass Stefan und Lea wohl schon aufgestanden waren. Ich ging ins Bad um mich zu Duschen und meine Zähne zu putzen. Als, während ich meine Zähne putzte, eine der beiden Italienerinnen ins Bad kam, ins Klo ging, laut die Musik aufdrehte und dabei ihr großes Geschäft verrichtete, erkannte ich eindeutig, dass ich für so eine Art von Hostel definitiv zu alt bin…

Lea hingegen machte in Sevilla eine sehr lebensverändernde Begegnung, sie lernte ihren Freund dort kennen. Stefan und ich spazierten verkatert durch Sevilla bis wir am Abend alle gemeinsam mit dem Bus zurück nach Malaga fuhren. Wir waren alle nicht besonders gut gelaunt, weil uns die Feria noch im Magen lag.

Pass in Sevilla vergessen

Als der Bus losfuhr (und zwar wirklich genau in diesem Moment) stellte ich fest, dass ich meinen Pass im Hostel-Schrank eingeschlossen vergessen hatte. Es gab zwei Möglichkeiten, entweder aussteigen oder auf Risiko spielen. Da ich voll verkatert war, erschien mir Aussteigen als ein unzumutbares Hindernis.

Völlig in Panik schrieb ich der Anna (eine ganz süße Österreicherin die ich im Hostel kennengelernt habe und wie sich herausstellte, eine richtige Feria-Expertin ist) und schilderte ihr meine Lage. Sie war meine Lebensretterin und hat mir den Pass mit einem Bus nachgeschickt. Vermutlich wäre mir innerhalb der EU ohne Pass nicht viel passiert aber jeder der mich kennt weiß, wie sehr ich an meinen Stempeln im Pass hänge! Liebe Anna falls du das ließt: DANKE!!!

Fazit zur Feria: Auch wenn ich Volksfeste in Österreich und Bayern nicht mag und dort auch nie hingehe, finde ich die Feria richtig cool. Ich finde das sollte man schon mal gesehen haben!!! Aber das nächste Mal ohne zerrissener Jeans ;).