Jakobsweg - Ankunft in Portugal und was ich so mitnehme

Also, wie viele bereits wissen gehe ich den Jakobsweg, genauer gesagt den Camino Portugés. Ich versuche alle Fragen die mir gestellt wurden irgendwie unterzubringen. Den Camino wollte ich schon sehr lange gehen,  aber,  naja ich glaube sehr viele kennen das: man will, aber eigentlich findet man immer eine Ausrede es dann doch nicht zu tun. Darum tu ich’s jetzt einfach! Warum ich ausgerechnet den Camino Portugés gehe hat mehrere Gründe. Erstens hab ich ein bisschen eine negative Assoziation dem Camino Frances gegenüber, weil wir in der HBLW mit der Schule auf Sprachreise nach Santiago gefahren sind. Dies taten wir nicht weil man in Santiago besonders gut spanisch lernen kann (in Santiago spricht man galicisch… ) sondern weil unsere Professorin schon sehr gelangweilt von Sevilla war und einfach mal was anderes sehen wollte. Auf dieser Reise wurden wir (obwohl wir zwischen 19 und 20 Jahre alt waren) behandelt wie unmündige Volksschüler. Auch zum Jakobsweg gehen wurden wir genötigt. Ich finde, wenn dann sollte man den Camino von sich aus gehen und keine Gruppenwanderung anbieten. Auch wenn der Camino nichts für meine Professorin und die misslungene Sprachreise kann, hab ich den Camino Frances deshalb so ein bisschen negativ abgespeichert. Der zweite Grund ist, dass ich noch nie in Portugal war und glaube, dass der Küstenweg sehr schön sein wird. Und der dritte Grund ist, dass der Stefan letztes Jahr diesen Weg gegangen ist und mich auch inspiriert hat. (Wer mehr zum Camino Portuges wissen will kann sich gerne Stefans Video anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=yKlMIHJFrCY)

Ich bekomme immer die Frage: Gehst du denn den ganzen Weg? Die Frage finde ich ein bisschen verwirrend weil was ist der ganze Weg? Es gibt so viele Wege, man kann auch von Linz aus los gehen. Also wenn das mit dem ganzen Weg gemeint ist, dann nein, ich gehe nicht den ganzen Weg. Aber ich gehe den ganzen Weg (zumindest hab ich das vor) von dem Weg den ich gehe. Mit dem ganzen Weg meinen die meisten vermutlich den Camino Frances weil das der beliebteste ist. Der „ganze“ Camino Frances ist ca. 800 km lang (wobei auch hier kann man einen längeren gehen), es gehen jedoch sehr viele ab León das sind dann ca. 340 km.  Der „ganze Weg“ ist also ein sehr relativer Begriff. Der Camino Portugés ist der zweit beliebteste Weg/Camino und ist ca. 260 Kilometer lang bis Santiago, man geht ihn in 10-14 Tagen. Viele haben mich gefragt wie lange ich mir Zeit nehme. Also der Camino ist für mich kein Wettrennen. Ich gehe diesen Weg für mich und für sonst gar keinen. Die Vorstellung von Anfang an den Stress zu haben man müsse ihn in der und der Zeit bestreiten, weil dann der Flug zurück geht macht mir Angstzustände… Das wollte ich auf gar keinen Fall. Ich habe 3 Wochen Zeit bis zu meinem Heimflug, mal schauen was dieses Abenteuer für mich bereithält. Ich würde mir allerdings schon ganz gerne noch Porto anschauen, aber wie gesagt, kein Stress, der Camino hat Vorrang.

Recht gerne teile ich auch meine Erfahrungen auf Instagram, solange es mir Spaß macht. Wie gesagt ich gehe den Camino für mich und hätte natürlich gerne Erinnerungen daran, deshalb würde ich es auch gerne teilen. Falls es sich jedoch nicht gut anfühlt, lass ich es einfach wieder. Ich würde mich aber sehr freuen wenn ihr mich über die Instastorie oder die Facebookstorie (auf der Travelcatseite werde ich Stories teilen nicht auf meiner normalen) begleiten würdet.

Zur Vorbereitung bin ich (fast) jeden Tag 10 Kilometer gegangen. Diese Vorbereitung war wahrscheinlich eher eine mentale als eine körperliche, da man ja mindestens 20 Kilometer am Tag geht. Im Vorfeld habe ich natürlich recherchiert was die größten Schwierigkeiten sein könnten, ganz oft haben Menschen vor allem am Anfang übertrieben und haben sich dann Entzündungen zugezogen. Deshalb fange ich mal ganz langsam an. Da ich so ziemlich die unsportlichste Person (das war natürlich nicht immer so aber es ist die traurige Ist-Situation) bin die ich kenne, bin ich natürlich gespannt wie es mir dabei gehen wird.

Morgen (9.4.) geht’s also los. Es gibt zwei Wege, den neuen Küstenweg der mit EU-Geldern gebaut und sehr beworben wird und den traditionellen Weg. Noch bin ich mir unsicher welchen ich gehen werde. Es kommt drauf an wie kalt es werden wird (Atlantik brrr) bzw. man kann auch am Weg wieder ins Landesinnere oder zum Küstenweg gehen.

Was ich eingepackt habe:

ich habe zwei Rucksäcke mitgenommen, einen für den Camino und einen für später (den lasse ich vorerst im Hostel in Porto). Das Foto ist seeehr schlecht, leider war es schon recht spät als ich gepackt hab hahaha #storyofmylife.

Also ich nehme mit: 

  • ein Bauchtascherl, Geld, Pass, Pilgerpass

  • ein Heft und einen Stift zum Tagebuch führen

  • in Stoffbeuteln meine Kleidung: 3 Leggins, 2 T-Shirts, 2 paar Socken, 1 leichter Pulli, ein Thermounterhemd, 4 Unterhosen, 1 BH, ein Top, 

  • einen leichten Schal, ohne dem verreise ich nie, den kann man für alles verwenden

  • eine Haarbürste

  • Wasserflasche

  • Menstruationstasse, musste mir eine neue kaufen weil ich meine dank meines stressigen packens zuhause vergessen hatte

  • Sommerschlafsack

  • Regenponcho, hab ich von Willhaben

  • sehr kleines Mikrofaserhandtuch, hat mir die liebe Silke geschenkt <3

  • Jutebeutel

  • Badeschlapfen

  • Medikamente, alles mögliche gegen Schmerzen, für die Schilddrüse, Blasenpflaster, Bepanthen, Labello

  • Sonnenbrille, normale Brille

  • Reiseführer vom Gottvater Raimund ;)

  • Kopfhörer, Ladekabel

  • Fleecepulli, auch Second Hand von der Carla

  • Haarseife (leider nicht am Foto, die verwende ich aber auch für den restlichen Körper)

  • Zahnbürste (Bambus), Zahnpaste (Konzentrat damit man ein bisschen weniger tragen muss), Deo

Meine Ankunft in Portugal

Die gestrige Ankunft war fast Slapstick-artig. Um 7 Uhr bin ich aufgestanden um mir noch meine Haare zu waschen (welcher Mensch wäscht sich am Flugtag die Haare? Im Flugzeug schaut man sowieso immer furchtbar aus) und hatte dann genau eine knackige Stunde um zu packen. Ganz ganz schlechte Idee, obwohl ich vorher schon sehr viel zusammen gerichtet habe sollte man sich trotzdem gerade für den Camino mehr Zeit nehmen zu packen. Wie auch immer, in letzter Sekunde lief ich mit zwei Rucksäcken zum Bahnhof und kam gerade noch rechtzeitig als der Zug in den Bahnhof einfuhr. Vor lauter Hektik hab ich meinen einzelnen Schlüssel und mein Handy in das Vorderfach meines Rucksacks gesteckt und hysterisch geschrien sie sollen bitte die Türe aufhalten während ich mein Ticket kaufte. Als ich zu meinem Rucksack schaute lag mein Handy gemeinsam mit meinem Wohnungsschlüssel auf dem Boden, ich glaubte beides auf und rannte in den Zug. Die Zuggäste sahen mich an als wär ich völlig irre, womit sie nicht ganz unrecht hatten. Als ich auf mein Handy sah, stellte ich fest, dass mein Handy einmal zu viel auf den Boden gefallen war. Tja seit ich kein Iphone mehr habe, hatte ich noch nie ein gebrochenes Display (und mein Handy landet wirklich sehr oft am Boden) doch nach fast drei Jahren hat nun auch dieses Handy eine Spiderman App. Geärgert habe ich mich nicht, es ist auch nicht so schlimm und man kanns ganz bestimmt reparieren. Es war nur ein bisschen ironisch, weil ich seit Kolumbien ein kaputtes Mikrophon am Handy hatte und es den Abend vor meiner Abreise repariert wurde, tja mein Handy muss wohl grad kaputt sein – auch kein Problem… wer weiß wozu es gut ist. Weiter gings dann von Linz zum Wiener Flughafen und dann mit dem Flieger von Wien nach Lissabon. Bei der Ankunft wartete das nächste Abenteuer auf mich – Mein aufgegebener Rucksack war nicht angekommen. Eigentlich war ich recht cool, ich dachte mir: Irgendwie wars klar, dass es mich auch einmal erwischen wird. Es war halt blöd weil mein Schlafsack, Regenponcho kurz mein ganzes Equipment was ich mir mühsam zusammen gesecond handet (das Wort gibt’s nicht) in dem Rucksack war. Gemeinsam mit drei anderen gings also zum Lost and Found wo man mir schon klar machte, dass mein Koffer so schnell nicht auftauchen wird. Als ich dann X Zettel ausgefüllt hatte, fragte mich die freundliche Dame (ganz unironisch die war wirklich extrem freundlich) wie mein Koffer denn aussehe, ich erklärte ihr, dass es ein kleiner schwarzer Rucksack sei. Daraufhin erleuchtete ihr Gesicht und sie meinte ich solle doch mal zum Schalter 14 schauen ob mein Rucksack da sei. Und tatsächlich, es war nicht nur mein Rucksack da sondern auch meine Gehstöcke die ich sehr schlampig angesteckt habe, vollständig mit allen Teilen angekommen. Dann stellte ich fest, dass mein Vorderfach am Rucksack halb offen war, jup genau das Fach wo ich hektisch meinen Wohnungsschlüssel reingeschmissen hab. Wie durch ein Wunder waren sowohl der Wohnungsschlüssel als auch der Reiseführer und meine Sonnenbrille noch drinnen. Got Faith kann man da nur sagen. Bitte lest euch den Beitrag von Stefan zum Jakobsweg durch: https://www.embracetherain.at/gruene-ampel-momente-und-got-faith-meine-persoenlichen-erfahrungen-seit-dem-jakobsweg/ Mit ganz viel Gück kam ich also nach sehr vielen Stunden in Lissabon an wo mir wieder so nette und tolle Menschen begegneten. Auch auf meiner heutigen Reise nach Porto wurde ich mit Freundlichkeit überschüttet. Eine Dame die in der Metro arbeitet ist mir 3 Stockwerke nachgelaufen nur um mir zu sagen welche Metro ich nehmen muss, unglaublich, das ist mir wirklich noch nie passiert. Hab also als Österreicherin einen kleinen Kulturschock^^ mit soviel Freundlichkeit können wir nicht umgehen.

In diesem Sinne – bon caminho bzw. buen camino 😊