Ayahuasca Teil 3

Der erste Abend war also überstanden und der nächste Morgen angebrochen. Mateo war bereits am frühen Morgen zurück nach Yarina gefahren. Er kam jeden Abend so gegen 19 Uhr und fuhr jeden Morgen mit dem ersten Boot nach Yarina. Wir haben alle zusammen gefrühstückt. In der Hütte in der wir aßen, herrschte reger Verkehr. Immer wieder gingen Leute ein und aus. Da ich neu zu der Gruppe gestoßen war, blieb ich einige Stunden in der Hütte mit den anderen sitzen, bis ich irgendwann in mein „Zimmer“ ging um meine Erfahrungen für mich zu sortieren. Es regnete den ganzen Tag, die Jungs waren fast den ganzen Tag im Internet Café (ja tatsächlich gab es mitten im Nirgendwo ein Internet Café – eine sehr lustige Geschichte – aber dazu später mehr) wogegen ich mich noch etwas wehrte, da auch der Verzicht von Internet Teil dieser Diät ist. Ich raffe den Tag nun, da wirklich nichts Aufregendes passiert war. Am Abend war es dann wieder soweit, wir nahmen wieder unsere Plätze ein und warteten auf Mateo. Dieses Mal drückten mir die anderen ein Fläschchen in die Hand und meinten ich sollte mein drittes Auge damit einreiben. Es war ein Aqua de Florida, ein Duftwasser, das in Perú zur Eröffnung und Beendigung von Ritualen verwendet wird. Wieder segnete Mateo den Raum und das Ayahuasca mit Rauch und das Ayahuasca drehte wieder seine Runde. Dieses Mal probierte ich ein bisschen mehr, nicht sehr viel mehr nur ein bisschen und nun verstand ich, was ich zuvor über den Geschmack von Ayahuasca gelesen habe. Ich weiß nicht genau, ob es daran lag, dass ich es am Vorabend erbrochen hatte und diesen Geschmack somit assoziiert habe, jedenfalls schmeckt es wie Essig mit Aschenbecher und Blutwurz Gurgelwasser gemischt… wirklich ein furchtbar ekelhafter Geschmack, der einen am liebsten gleich wieder erbrechen lassen würde. Mateo wünschte uns wieder eine gute Reise und schon ging das Brechkonzert wieder los. Ich kann mich noch erinnern, dass Chipsy das Brechkonzert an diesem Abend besonders lustig fand und dieses Lachen war auch besonders ansteckend und so lachten und erbrachen wir in abwechselnden und gleichzeitigen Intervallen. Wenn man nicht dabei gewesen ist, kann man die Komik dieser Situation wohl wirklich schwer nachempfinden, aber es hatte etwas Tragisches und unfassbar Komisches zur gleichen Zeit. Ich erbrach deutlich mehr als in der ersten Nacht. Es löste sich viel, während dem Erbrechen arbeitet man sehr viele Dinge auf. Die körperliche Reinigung war also schon mal in vollem Gange. Die Ersten waren bereits voll in ihren Visionen, Chipsy war in dieser Nacht besonders gut gelaunt. Er lachte und irgendwie hat er alle  mit seiner guten Energie mitgerissen. Ich jedoch wartete und wartete auf das Eintreten der Wirkung, genau beobachtete ich jede Veränderung meines Zustandes. Immer wieder erbrach ich und legte mich wieder hin und während ich über dem Kübel hing, dem Brech- und Rauschgeräusch der Anderen lauschte und mich fragte warum es bei allen anderen wirkt und bei mir nicht und bereits mein ganzes Projekt infrage stellte, drehte ich meinen Kopf zur Seite. Es stand außer Zweifel: Es ging los. Die folgenden Erlebnisse sind mit Worten wahrscheinlich nicht wiederzugeben aber ich versuche es trotzdem. Während ich meinen Kopf zur Seite drehte war es, als hätte mein Kopf eine Verbindung nach oben,  es war als hätte ich ein weiteres Sinnesorgan… Es fühlte sich tatsächlich an als hätte ich mehr Sinne als sonst. Ich konnte jede Bewegung meines Kopfes spüren, allerdings von außen. Als würde jemand 60 cm über mir meinen Kopf streicheln. Es war wohl eines der großartigsten Gefühle, die ich jemals hatte und so saß ich da und drehte meinen Kopf und genoss dieses unbeschreibliche Gefühl. (Von außen sah diese Situation mit Sicherheit lustig aus.) Und wie ich diese Zeilen nun schreibe, merke ich schon wie wenig Sinn das ergibt, denn man kann es nicht verstehen, wenn man dieses Gefühl noch nie hatte. Es ist als wolle ich ein Sinnesorgan beschreiben, das ich selbst noch viel zu wenig gut kenne. Wie dem auch sei, Mateo und die junge Frau begannen zu singen und regten abwechselnd sowohl das Erbrechen als auch die Visionen an. Ich sah Schlangen, sehr viele Schlangen… im echten Leben habe ich große Angst vor Schlangen, aber es war nichts Furchterregendes an diesen Schlangen. Sie waren schön und mit bunten sirrenden Linien durchzogen. Sie waren wunderschön, ich hatte keine Sekunde Angst vor ihnen. Die Bilder wechselten, ich sah den Dschungel und zwar so, wie ich ihn anders vermutlich nie hätte sehen können. Ich sah Tiere aus dem Dschungel,  die ich noch nie zuvor gesehen habe und ich spürte die Energie. Es war als würde mir der Dschungel eine Geschichte von sich erzählen, und das Ayahuasca half mir auch eine Geschichte von mir zu erzählen. Ich konnte dem Ayahuasca Fragen stellen, und sie wurden in Form von Visionen beantwortet. Viele Menschen beschreiben, sie würden im Universum schweben und sie würden ihre Familie sehen. Meine Reise jedoch drehte sich nur um die Natur und mich. Als ich später aufs Klo musste und draußen in der Natur war, spürte ich es noch viel stärker. Ich nahm den Baum tatsächlich als Lebewesen wahr, ich konnte sein Wesen spüren. Natürlich weiß man, dass Pflanzen Lebewesen sind, aber dass, was ich in diesem Moment gespürt habe und auch noch lange nach meiner Reise  gespürt habe, kann man damit nicht vergleichen. Nun ging ich aufs Klo, und in dem Raum (es hatte ja den ganzen Tag geregnet) saßen zwei ca.15-20 cm große Frösche. Normalerweise hätte ich mich vermutlich sehr erschrocken aber so dachte ich mir nur: Hey Jungs, darf ich bitte schnell die Toilette benutzen?^^ Mir ist durchaus bewusst, dass sich die Geschichte total crazy und höchst esoterisch anhört und man das wahrscheinlich wirklich nur nachempfinden kann wenn man das schon einmal erlebt hat ABER: ich möchte nur anmerken, dass es die Frösche wirklich gab… die Anderen haben sie auch gesehen ;).  Als ich wieder hinein ging, ging es weiter… ich sah so viele geometrische Muster, ich sah natürlich auch die bekannten Ayahuascamuster,  die auch auf fast allen Hauswänden gemalt sind und ich sah einen, wie ich später herausfand, keltischen Unendlichkeitsknoten. Die ganze Nacht war magisch, ich sah so unglaublich viel Schönes und Gutes. Irgendwann sah ich einen schwarzen Jaguar,  der von der Ferne auf mich zukam. Sehr eindrucksvoll und majestätisch aber auch Furcht einflößend und ich hatte Angst es könne in etwas Negatives umschlagen, tat es aber nicht. Erst jetzt weiß ich was der Jaguar für eine Bedeutung hat und ärgere mich zutiefst, dass ich ihn nicht mehr angenommen habe. Egal was ich jetzt noch schreiben werde man wird nicht verstehen können wie magisch diese Nacht war. Es war vermutlich  das schönste Erlebnis bislang in meinem Leben. Es war ein Abtauchen in mich, die Natur und eine Welt in der ich noch nie zuvor war. Meine Reise dauerte ca. bis 5 (um 21 Uhr beginnt die Zeremonie meist) und als ich um 8 aufgestanden war, sah mich Marco an und fragte mich mit strahlendem Gesicht wie ich es fand und ich sagte nur: „ increíble, INCREIBLE!!!“ Es war für alle eine außerordentlich schöne Nacht und so verbrachten Marco, Chispy und ich den ganzen Tag miteinander und fuhren mit dem Boot zurück nach Pucallpa um den Tag in vollen Zügen zu genießen… hier geht es zum 4. Teil