Ayahuasca Teil 4

Marco, Chipsy und ich machten uns auf den Weg nach Pucallpa. Wir fuhren wieder mit einem kleinen Boot ca. eine Stunde nach Yarinacocha. Energiegeladen von der Nacht war alles noch viel schöner und ich sah pinke und graue Delphine im See (Yarinacocha). Es war wirklich sehr schön, ich habe das sogar gefilmt… Falls ich das Videomaterial finde versuche ich es irgendwie einzufügen. Dann kauften wir uns frisches Obst und jeweils eine Kokosnuss und fuhren mit einem Mototaxi nach Pucallpa. Dort angekommen gings auf den Markt und wir kauften schöne Souvenirs und ich gönnte mir ein eigenes Aqua de Florida. Später trafen wir zwei Mädchen (sehr jung beide 18 Jahre alt) die ebenfalls aus Österreich kamen (das ist wirklich seeeehr selten… man trifft fast nie Österreicher beim Reisen). Das eine Mädchen hatte ganz kurze Haare und schwarze Tätowierungen im Gesicht, sie war aber trotz der etwas gefährlich wirkenden Tätowierungen sehr sympathisch. Vor dem anderen Mädchen hatte ich etwas Angst. Ich kann nicht genau erklären warum, aber ich fühlte mich nicht sehr wohl. Die beiden gingen mit uns in ein Vegetarisches Restaurant essen und die Jungs schwärmten von Mateo und wollten die Mädels überreden sofort mitzukommen. Ich dachte mir gleich, dass dies keine gute Idee wäre,  aber ich habe nichts gesagt, denn es ging mich auch gar nichts an… Das Essen war wirklich hervorragend,  dazu gönnten wir uns frisch gepressten Maracujasaft.

Marco blieb anschließend noch alleine in Pucallpa. Er wollte etwas für seine Tochter kaufen und Chrispy und ich fuhren zurück. Es war ein wunderschöner Tag und es war seeehr heiß. Meine eigentliche geheime zweite Agenda im Regenwald war ja,  endlich ein Faultier zu sehen weil ich die so sehr mag. Also machte ich mich auf den Weg und suchte nach einem Peresoso und fragte wirklich jeden Einheimischen wo die sich immer so aufhielten… Ich suchte ganz San Francisco (ist auch nicht soooo groß^^) nach einem Faultier ab, leider vergebens. Wie dem auch sei… ich war jedenfalls den ganzen Nachmittag unterwegs und nicht bei den Anderen. Am Abend war eine komische Stimmung schon bevor Mateo gekommen war. Alle waren total überdreht und die Burschen waren auch komisch,  aber ich wusste nicht genau was passiert war. Die Zeremonie begann also, das Ayahuasca drehte wieder seine Runde und glaubt mir: es schmeckt beim 3. Mal nicht besser… man gewöhnt sich auch nicht an den Geschmack, es wird höchstens schlimmer. Das Kotzkonzert ging also wieder los und irgendwie war alles viel aufgewühlter als die Nächte zuvor. Ich kann mich noch gut erinnern, dass jene Nacht bezüglich körperliche Reinigung extrem bei mir war (vermutlich weil ich etwas gegessen hatte und die Tage zuvor nichts,  außer eine ganz kleine Schüssel Reis). Ich hatte kaum Visionen in dieser Nacht, ich hätte sicher welche haben können aber ich konnte – beziehungsweise – wollte mich nicht darauf einlassen… es war so eine komische Stimmung. Es war Vollmond und ich habe die starke Vermutung, dass die Ereignisse einen Zusammenhang damit hatten. Der Schwager von Mateo war an diesem Abend auch da, er ist ein sehr guter Sänger und er hat mitgesungen. Es gab keine Konzentration an diesem Abend. Einige sind aufgestanden und haben herumgetanzt, ein ganz dünnes Mädchen (ich glaube sie litt an Magersucht) hatte eine extreme Nacht; Mateos Schwager und Mateo und die Frau von der ich den Namen vergessen habe besangen das Mädchen und kümmerten sich um sie. Ich musste einige Male aufs Klo gehen und irgendwann sah ich Chrispy und Marco draußen im Gras sitzen. Sie fragten mich wie es mir ging und ich sagte, dass es mir körperlich nicht so gut ginge und dass ich die Stimmung sehr sehr komisch fände… Die Beiden redeten die ganze Zeit italienisch, und sie meinten sie würden nicht mehr hineingehen sondern draußen bleiben. Ich versuchte immer wieder hineinzugehen und mich darauf einzulassen,  aber es war mir wirklich zu schräg… Es fühlte sich an,  als würde sich negative Energie von einigen lösen und instinktiv wollte ich mich vermutlich schützen und diese nicht annehmen. Also legte ich mich zu den Anderen und wir lagen im Gras und genossen die klare Aussicht. Es war wunderschön, der Mond total rund und kräftig und soooo viele Sterne. Am nächsten Tag wollten die Jungs abreisen. Sie waren auf einmal total sauer, ich verstand überhaupt nicht warum… Nur weil wir eine schräge Nacht hatten? Und überhaupt,  die Argentinier reisten einen Tag später ab und dann wären wir eh alleine. Später erfuhr ich warum… Die beiden Mädchen (die wir in der Stadt getroffen hatten) waren am Vorabend angereist und Mateo wollte sie nicht aufnehmen. Marco hat das gar nicht gefallen und er hatte Mateo und alles was damit zu tun hatte infrage gestellt. Ein bisschen kann ich ihn schon verstehen,  weil ich auch Zweifel hatte… Für peruanische Verhältnisse zahlten wir relativ viel. Allerdings waren es noch peruanische Preise und nicht wie bei vielen Ayahuasca-Anbietern amerikanische. Marco wollte alle überreden abzureisen. Ich blieb, erstens hatte ich schon bezahlt,  und zweitens  selbst wenn ich kein ungutes Gefühl bei den Mädchen gehabt hätte, war einfach kein Platz… wir lagen fast schon übereinander… Beim Verlassen der Hütte musste man wirklich aufpassen, dass man auf keinen drauf trat. Wir aßen zusammen.  Marco beschimpfte alle und verließ die Gruppe, Chrispy wollte Frieden schließen mit Mateo und sie blieben noch eine Nacht. Für meinen Teil jedoch empfand ich es an diesem Tag erstmals für richtig,  das „Internetcafe“ zu besuchen. Ich holte mein Handy von meinem Zimmer und machte mich auf den Weg. Es war ein sehr kleines Häuschen wo eben „Internetcafe“ drauf stand. Ich betrat den Raum, in dem Raum waren ca. 6 extrem alte Computer, sie machten sogar das Geräusch das ich noch von unserem ersten Computer 1995 kannte. An den Computern saßen lauter kleine (wirklich sehr junge) Shipibo-Burschen die Computer zockten und Youtubevideos schauten. Das war wahrscheinlich einer der lustigsten Augenblicke meines Lebens. Ich konnte meinen Augen nicht trauen was da gerade abging. Als ich nach dem Wifi-Passwort fragte, wurde ich mal fragend angesehen bis ich feststellte, dass es das nicht gab. Ich musste warten bis eines der Kids fertig war mit dem Computerspielen bis ich endlich einen bekam. Ich setzte mich also hin und wollte zu schreiben beginnen… Ein Zehnfingersystem anzuwenden war nicht möglich, da man so fest in die Tasten hauen musste um die Information auch auf dem Bildschirm sichtbar zu machen. Ich schrieb kurz 2 Emails, postete einen Facebookstatus und chattete kurz. Einer der kleinen computerspielenden Jungs spielte einen Song (zu meiner Verteidigung muss man sagen, dass ich seit Tagen keine Musik mehr hörte außer die Heilgesänge in der Nacht) und ich fing an zu tanzen (also im Sitzen, in Lateinamerika ist das nicht so prüde wie bei uns) bis ich feststellte, dass ich gerade zu Justin Bieber tanzte… Später in Lima wurde mir erklärt, dass ich jetzt ein Belieber sei… was auch immer das heißen mag^^. hier geht es zum 5. Teil